Es gibt ja heutzutage vielzählige spirituelle Konzepte, Einordnungen, Zuordnungen und (vermeintlich) überlieferte Traditionen, die von Koryphäen auf dem esoterischen und neo-schamanischen Markt vermittelt, verbreitet und gestützt werden und viele esoterisch und naturspirituell orientierte Menschen glauben einfach daran, integrieren das in ihr Leben, oftmals ohne das völlig oder zumindest unzureichend zu reflektieren. Im schlimmsten Fall erheben sie es als Dogma, bzw. übernehmen die dogmatische Sichtweise ihrer Urheber und wenn sie, wie z.B. von mir, Anderslautendes vernehmen, müssen sie es vehement und aggressiv verteidigen.
Auch ich habe früher Vieles in dieser Art geglaubt und als einzige, unanfechtbare Wahrheit angesehen, bis ich immer mehr damit anfing, Alles zu hinterfragen, mich hinein zu spüren und so oftmals auf ganz andere Schlüsse kam. Was man ja auch sehr gut bei meiner freigeistigen Sicht der Runen sehen kann, die so manchem Runen-Dogmatiker so gar nicht in den Kram passt.
Dahingehend fiel mir kürzlich für mich der Titel „Schamanenketzer“ ein. ;-)
Jedenfalls bin ich inzwischen immer mehr dabei, esoterische Konzepte und Traditionen zu hinterfragen und zu schauen, welche Bewandtnis es damit eigentlich wirklich hat. Aus welcher Zeit stammen sie? Welche, oftmals gar nicht so wohlwollenden Einflüsse, wie z.B. sehr häufig in der Kirchendoktrin vorhanden, sind hier mit eingeflossen?
So habe ich mich z.B. auch mit der Thematik der sogenannten Rauhnächte befasst und komme hier zu dem Schluss, dass dieses Konzept von 12 Tagen und Nächten, basierend auf dem römisch-katholischen Gregorianischen Kalender, ziemlich offensichtlich auf römischen und kirchlichen Indoktrinierungen basiert.
Ob die alten Völker, noch frei davon, dieses Konzept kannten oder gar praktizierten, wage ich stark zu bezweifeln.
Sie kannten zwar sicherlich den winterlichen Fixpunkt der Wintersonnenwende, wie das ja auch in Bauwerken wie Stonehenge zum Ausdruck kommt.
Aber sonst waren unsere sogenannten keltischen und germanischen Vorfahren in vorrömischer Zeit wohl terminlich nicht so festgelegt und mussten, weil das Wetter halt launisch ist, da auch eher ziemlich flexibel bleiben.
So ergibt es sich wohl von selbst, dass die Menschen früher, wenn die ersten Fröste (und Früste…) kamen und der Winter Einzug hielt, sich selbstverständlich naturgemäß in ihre Behausungen oder Höhlen zurückzogen und somit natürlich eher zum Nichttun und Zusammensein im Flammenschein gezwungen waren. Da gab es keinen Kalender, der ihnen das auftrug, sondern einfach die Natur selbst, die ihnen das gnadenlos klar vermittelte. Da war es auch nur all zu logisch, dass man keine Wäsche gewaschen hatte, weil diese schlichtweg nicht trocken wurde. Wenn die „Wilde Jagd“ ums Haus tobte, blieb man doch lieber im stillen Kämmerlein. Die Natur gab vor, was dran war, nicht irgendwelche Konzepte, Bücher oder Kalender. Und je nachdem wie der Winter lief und früher waren die Winter halt wohl meistens deutlich härter, mussten sie ausharren, bis es eben wieder Zeit war, nach draußen gehen zu können und dort aktiv zu sein. So gab es eben nicht 12, 13 oder 16 Tage des Rückzugs, sondern eben so viele, wie die Natur vorgab. Sicherlich wurde in dieser Zeit auch geräuchert, weil Räuchern einfach auch ein probates Mittel ist, Keimen, Bakterien und dergleichen Einhalt zu gebieten. Gerade eben auch dann, wenn man keine Wäsche waschen kann. Aber da wurde geräuchert, wenn es eben dran war und nicht nach irgendwelchen Vorgaben, an welchem Tag man welches Kraut räuchern muss. Die Menschen damals kannten ihre Kräuter und ihre Wirkung und wussten sehr gut, welches Kraut in welcher Weise wirksam ist, unabhängig davon, wie viele Tage das vor oder nach der Wintersonnenwende war.
Somit stellt sich also für mich die Frage, welche Bewandtnis die Rauhnächte bei den alten Völkern tatsächlich hatten. Wohl weniger, als uns heutzutage in vielen Büchern und Youtube-Beiträgen vermittelt wird, bei denen offensichtlich schon eher wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen. Die Menschen früher lebten mit und von der Natur und dementsprechend passten sie sich, entsprechend den äußeren Einflüssen, an und hatten eben keine derartigen fixen Termine. Überhaupt ist wohl die punktgenaue Einordnung von Festtagen und Zeremonien eher eine Erfindung von Ägyptern, Griechen und Römern. Die alten Völker schauten in den Himmel. „Mond rund... Vollmond!"... da gab es kein 13:33 Uhr oder so... und wenn das Wetter am anberaumten Jahreskreisfesttag nicht passte, nahm man eben den Nächsten, bei dem die Witterungsverhältnisse passend waren.
Flexibilität war bei den alten Völker wohl an der Tagesordnung, weil die Natur eben launisch ist und man immer schauen musste, wann was tatsächlich am Besten passt.
Das ist wie mit dem Sammeln von Heilkräutern. Der Mondkalender empfiehlt zwar gewisse Tage als optimal, aber wenn es da regnet, macht das Ernten keinen Sinn, sofern sie nicht für den unmittelbaren Gebrauch gedacht sind.
Ich verstehe durchaus das Bedürfnis nach klaren Vorgaben und Konzepten, weil es den Menschen in einer Zeit, in der es so viel Unsicherheit und Unwägbarkeiten gibt, Halt gibt. Gerade weil nichts in dieser Welt wirklich sicher ist, ist das Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Orientierung umso größer und deshalb finden auch so viele Menschen an solchen Konzepten und Traditionen Gefallen. Aber die, für Viele, wohl bittere Wahrheit ist, dass nichts in dieser Welt sicher ist, außer, dass wir früher oder später aus ihr scheiden müssen. Die alten Völker wussten das und deshalb haben sie wahrscheinlich eher keine Rituale gepflegt, die ihnen diese vermeintliche Sicherheit vorgaukeln. Sie haben wohl eher der Wirklichkeit klar ins Auge geblickt und das Beste draus gemacht. Es blieb ihnen eh nichts Anderes übrig.
Gewiss waren diese Menschen auch immer wieder in Sorgen und Nöten und führten einen harten Überlebenskampf. Aber wahrscheinlich waren sie deutlich freier, unbeschwerter und froher, weil sie viel mehr die lebenswerten und erfreulichen Momente ihres Lebens zu schätzen und auszukosten wussten. Sie mussten auch nicht irgendetwas erreichen oder werden. Sie lebten wahrscheinlich deutlich mehr im Moment. Und das ist das, was den meisten Menschen heutzutage abgeht und weshalb sie so unglücklich sind und immer nach etwas streben, was in dieser Weise gar nicht erreichbar ist.
Es ist immer gut, Ziele und Visionen zu haben, aber sei zufrieden mit dem, was Du hast, wo Du bist und wer Du bist, denn das ist die gesunde Basis, im Leben wirklich etwas erreichen zu können.