BELTANE

Beltane – Walpurgis - Hohe Maien
 

Das nachfolgende Jahreskreisfest ist BELTANE und wird in der wohl schönsten Zeit des Jahres, dem Mai – altgermanisch für Jung – gefeiert. Da die Kraft des Mondes zum Vollmond am stärksten ist, wurde hier wohl schon seit jeher das Fest der Lust, der Freude und der Wonne zelebriert. Zu BELTANE – wird übersetzt mit Feuertanz – oder auch Beltain gingen früher, bevor das von der Kirche immer mehr unterbunden wurde, die Dorfbewohner hinaus auf die Felder, zündeten Freudenfeuer an, tanzten und liebten sich dort auch. Dabei soll es gang und gäbe gewesen sein, dass sich die maskierten Teilnehmer in freier Wahl einen Partner wählten und mit ihm die Wonnen der Liebe teilten. Alle ehelichen Bündnisse waren angeblich für diese Nacht aufgehoben, woher wohl auch der Name Freinacht rührt. Den alten Völkern blieb es wohl nicht verborgen, dass sich gelebte Sexualität positiv auf das Pflanzenwachstum auswirkt, was ja heute bereits wissenschaftlich belegt ist. So hatte dieses Fest nicht nur den Sinn, die sonst geltenden Grenzen zu überschreiten und möglicherweise als natürliches Ablassventil zu fungieren, sondern zugleich auch die Fruchtbarkeit, der die Bevölkerung ernährenden Felder zu fördern. Als die Macht der Kirche immer stärker wurde und überall durchsetzte, wurde der alte Kult immer mehr im Verborgenen ausgeübt und so bekam die Walpurgisnacht mit der Zeit ein anrüchiges, obszönes und sogar schwarzmagisches Image und wurde zur Nacht der (bösen, verdorbenen und gefährlichen) Hexen deklariert. Zumal heutzutage offenbar nur wenige wissen, dass die Heilige Walpurga eigentlich die Schutzheilige gegen Hexen und Dämonen ist und keine altgermanische Göttin, wie manch einer behauptet. Viele sogenannte Neuheiden oder Pagans feiern in der Walpurgisnacht das Beltane-Fest und sind sich darüber gar nicht bewusst, dass Walpurga diesem Kult energetisch eher konträr gegenüber steht. Doch, wie schon weiter oben erwähnt, hatten die alten Völker keinen derartigen Kalender, wie wir heute und wussten somit auch nicht, wann der 30. April oder der 1. Mai ist. Und so richteten sie sich wohl nach dem Vollmond, der sich bezeichnenderweise zu dieser Zeit im durchaus lustvollen Tierkreiszeichen Skorpion befindet. Deshalb kann das Beltane-Fest in einem Zeitraum vom 21. April bis 21. Mai stattfinden, je nachdem wann der Erdtrabant in dieser Phase rund wird. Es ist jedenfalls die Zeit der Blüte und traditionell wird zu dieser Zeit vielerorts eine, mit Blumenkranz geschmückte Maikönigin gewählt. Auch der Brauch des Maibaumaufstellens ist schon sehr alt, gerade, wenn man weiß, dass jegliche Baumkulte von den hiesigen, vorchristlichen, die Natur verehrenden Völkern, stammen, denn in der hebräischen Wüste hatten Bäume nicht einen solchen Kult- und Verehrungsstatus wie hier. Auch den in Bayern noch oft praktizierte „Bandltanz“ gibt es schon ziemlich lange und das Wort „anbandln“ scheint hiervon auch seine Bedeutung bekommen zu haben, da man sich bei diesem Tanz Runde um Runde näher kommt. Interessanterweise ergibt sich, bei korrekter Ausführung des Tanzes, ein Rautenflechtmuster auf dem Stamm des Maibaums, woher womöglich auch die Rauten im Bayerischen Wappen ihren Ursprung haben. Denn es sollen hierfür gerne blaue und weiße Bänder verwendet worden sein. Die Raute an sich, entspricht der Form der Ing-Rune und diese wiederum steht für die Fruchtbarkeit und Erfolg. So hat Bayern also demnach ein sehr fruchtbares und Erfolg verheißendes Wappen. BELTANE ist gewiss auch ein guter Zeitpunkt für Eheschließungen, sozusagen in den Hoch-Zeiten des Jahres. Diese wurden wohl auch gerne im Zusammenhang mit dem Maibaum-Ritual abgehalten. Jedoch galt diese Ehe, laut Überlieferung, nicht für das gesamte restliche Leben, sondern nur für ein Jahr und einen Tag und wurde dann entweder erneuert oder auch wieder getrennt. Da jedweder Nachwuchs in früherer Zeit Kind des Stammes war und nicht nur von Vater und Mutter, war die Trennung eines Paares möglicherweise unproblematischer als heutzutage. Doch, wie es wirklich war, ist spekulativ und wohl auch von Stamm zu Stamm unterschiedlich gehandhabt worden. Auch die Frage, ob es in der Freinacht wirklich wilde Orgien gab – was in solch intimen Stammesverbänden sicherlich nicht unproblematisch gewesen ist – kann nicht wirklich beantwortet werden. Möglicherweise rühren diese Legenden eher aus einer Zeit, als die Anhänger der alten Kulte gegen die lustfeindlichen Strömungen der Kirche mit mehr Vehemenz derartig agierten und in dieser Weise womöglich Protest ausübten. Oder sie sind auch einfach nur Erfindungen und Projektionen, die aus der Negativ-Propaganda von Kirchenleuten resultieren.

Die Geschichte ist ein Geschichte. Eine Schicht lagert über der anderen Schicht und so kann man meistens nicht sehen, was sich darunter befindet.

Auf jeden Fall ist es angemessen bei diesem Fest der Freude, das göttliche Geschenk der Sexualität zu zelebrieren und das möglichst so, dass es allen Beteiligten gefällt.

 

Wohl bemerkt, ich bin weder gegenüber der Institution Kirche, noch einer anderen religiösen Gemeinschaft, grundsätzlich feindselig eingestellt! Doch haben unweigerlich einige einzelne Kirchenmitglieder in deren Namen, ausgestattet mit (viel zu) viel Macht, in den letzten zwei Jahrtausenden für sehr viel Ungemach, Unfrieden und Verwirrung gesorgt. Zudem haben sie die Lehren ihres Propheten und Religionsstifters missachtet und verraten und Andersgläubige unterdrückt, eliminiert oder zwangsmissioniert und auch dafür gesorgt, dass deren umfangreiches Wissen (fast) verloren gegangen ist. Nur deren Tun und Wirken spreche ich hier jeweils in diesen Texten an!

Maibowle (Maitrank, Maiwein, Waldmeisterbowle)
 

In dieser Zeit blüht an der Mangfall der Waldmeister, ( Galium odoratum L.) auch Meier oder Herzfreund genannt. Der Waldmeister ist eine der bekanntesten Maienpflanzen, vor allem durch die Maibowle, die schon lange in Mitteleuropa beliebt ist und sich bis heute erhalten hat. Bereits im Jahre 854 schrieb der Benediktinermönch Wandalberuts aus dem Kloster Prüm “Schütte perlenden Wein auf das Waldmeisterlein”.  Der Maiwein wurde nämlich auch als medizinisches Getränk zur Stärkung von Herz und Leber im Kloster ausgeschenkt. Überliefert ist, dass die Maibowle wahrscheinlich als Liebestrank bei den Mai-Hochzeiten kredenzt wurde. Denn sie regt unsere Liebesbereitschaft merklich an, da die Wirkung des Waldmeisters Körper und Seele entspannt und Hemmungen nimmt. Für diese Wirkung sollte man allerdings nicht zu viel Waldmeister in die Bowle tun.

Denn in stärkerer Dosis konsumiert ist der Waldmeister ein kräftigendes und wachmachendes Kraut (v.a. durch den Wirkstoff Cumarin, das ähnlich anregend wie Koffein wirken kann); er stärkt auch Herz und Leber. Für den Ansatz von 1 Liter Maibowle sollte man nicht mehr als 3 g frisches, angewelktes Kraut nehmen. Dabei wird das angewelkte Kraut mit Sekt, Weißwein, weißem Traubensaft oder Mineralwasser übergossen. Wer das Kraut einweichen will, sollte es maximal für ½ Stunde tun und die Stängel heraushängen lassen, damit die Bowle nicht zu bitter wird!

Wer jedoch zuviel davon nimmt, wird erkennen, warum der Waldmeister als Meister des Waldes gilt. Denn dann verbindet er uns mit der Wildheit und Stärke der Waldgeister, die einem nicht mehr loslassen. (Nachweislich können hohe Cumarindosen Kopfschmerzen , Herzrasen und Übelkeit verursachen!)

(Text von Hanselix)