Alte Bräuche der Kelten und Germanen?

Hier ein paar Gedanken und Empfindungen bezüglich angeblich alter Bräuche der Kelten und Germanen und zu den grotesken Verhaltensweisen der neuzeitlichen Menschen.

Geschrieben am 24.12.2025

Was wissen wir wirklich von den Ritualen und Bräuchen unserer vorrömischen Ahnen?


Die Antwort gleich vorweg: Wir wissen quasi nichts über die Bräuche und Rituale der Kelten und Germanen, bevor sie mit den Griechen und Römern in Kontakt gekommen sind und wer das behauptet kann entweder Zeitreisen oder die Akasha Chronik lesen, was ja die einzige, wirklich neutrale Quelle wäre.
Diese Stämme haben nämlich Nichts aufgeschrieben, womöglich wohl wissend, dass das Wesentliche eh nicht in Worte zu fassen ist und sich der Zeitgeist stetig ändert und die Schriften sehr schnell ihre ursprüngliche Sinngebung verlieren. Zumal hier anzumerken wäre, dass gerade jene Religionen, die sich stark und vehement auf ihre Schriften berufen, wohl für das meiste Unheil und Ungemach in der Welt gesorgt haben. Keine Anschuldigung, sondern einfach Fakt!
Alles, was uns über Kelten und Germanen bekannt ist, wissen wir aus den Schriften der Griechen und Römer und der Makel daran ist, dass diese Schreiber die sogenannten barbarischen Stämme durch ihre Brille sahen und da auch oftmals negative Propaganda gegen sie im Spiel war.

Wir wissen auch nichts darüber, in welcher Form sie die Runen benutzt haben und alles, was uns an angeblich althergebrachten Systemen in vielzähligen Büchern vermittelt wird, ist nur wenige hundert Jahre alt und hat wohl gewiss keinen direkten Bezug zu den „Systemen“ die von den vorrömischen und vorchristlichen Schamanen praktiziert wurden.

Die wenigen Informationen über die Runen, die in der Edda zu finden sind, lassen auch wenig erahnen, wie die alten Völker, insbesondere die Skalden und Druiden, mit ihnen gearbeitet und gewirkt haben. Zumal der Urheber der Edda, Snorri, wohl auch ein Kirchenmann war, der wahrscheinlich die Ambition hatte, dem isländischen Volk die neue Doktrin in ihren alten Bildern zu vermitteln. Denn nur Kirchenleute waren im 11. Jahrhundert des Schreibens mächtig und es ist auch überliefert, dass dieser Snorri ein ausgeprägtes Faible für die griechische Mythologie hatte und hier womöglich eine nordische Version erschaffen wollte.
Eher in der Art wie ein gewisser Tolkien solch einen Mythos später mit dem „Silmarillion“ und „Herr der Ringe“ geschaffen hat.

Somit besteht eben die Crux darin, dass jegliche, angeblich alte, keltische und germanische Sitten und Gebräuche - etwa in welcher Weise sie die Jahreskreisfeste feierten oder die Rauhnächte begingen - mehr oder weniger mit kirchlicher Doktrin vermengt, ja gar infiziert sind. Denn den Kirchenleuten ging es ja nicht darum, dass die alten Völker ihre alten Kulte weiter zelebrierten, sondern dass sie die neue Religion mit möglichst wenig Widerstand annehmen. Das gelingt natürlich leichter, wenn man ihnen die alten Bräuche nicht gänzlich wegnimmt oder verbietet, sondern mit einer neuen Sinngebung verändert und zweckentfremdet.

Aus diesem Grund habe ich sehr viele Vorbehalte gegenüber solcher scheinbar althergebrachten Kulte und Riten, die in den letzten Jahren von Natur spirituellen Menschen, meistens eher unreflektiert, gefeiert werden, denn all zu oft ist darin die kirchliche Doktrin und Maßgabe erkennbar. Auch sollte Jenen stets bewusst sein, dass die alten Völker keinen römischen Kalender kannten und sich demnach anderweitig, nämlich vorwiegend an den Gestirnen, orientierten.

Ich interessiere mich jedenfalls für das Ursprüngliche, Unverfälschte und wirklich Archaische und da es hier eben keine schriftlichen Überlieferungen gibt, muss man sich dem Ganzen anders, nämlich mehr über die Intuition nähern und die Natur mit ihren Zyklen und Rhythmen beobachten und nach deren Vorgaben leben. Umso mehr man im natürlichen Rhythmus lebt, umso näher ist man auch den alten Völkern, die dies eben auch taten.

Gerade jetzt in der dunklen Phase des Jahres zeigt uns die Natur, die sich gänzlich zurück gezogen hat und in der die Tierwelt vielfach Winterschlaf hält, dass es Zeit ist für Ruhe, Rückzug und innere Einkehr. 

Umso absurder ist, was der heutige westliche Mensch in dieser Phase treibt. Weihnachtsstress und -Rummel sind da genauso deplatziert, wie etwaige Knall- und Böllerbräuche, die noch dazu auf der Angst vor bösen Wintergeistern beruht, was ja heutzutage wirklich nicht mehr zeitgemäß ist und lediglich die Angstfrequenz nährt. Vielmehr werden dabei Tiere aus ihrem Winterschlaf gerissen, Haustiere unnötig verängstigt, jede Menge Müll und Feinstaub produziert, Brände provoziert und Gefahr für Leib und Leben gefördert. Alle sonst übers Jahr geltenden Verordnungen bzgl. Brandschutz, Immisionsschutz, Tierschutz usw. werden so an Silvester ad absurdum geführt und die Polizei hat dann zu allem Überfluss mit bürgerkriegsähnlichen Krawallen in den Städten den totalen Stress. 
Was hat das noch mit irgendwelchen alten Bräuchen zu tun? Rein gar nichts!
Mehr dazu auch in meiner Abhandlung „Braucht es diese Bräuche?“ auf https://urwurz.de/naturwissen/jahreskreisfeste/groteskes-brauchtum

Gerade dann, wenn die Natur zur Stille gemahnt, lärmt der „moderne“ Mensch grotesker Weise am Meisten. Der totale Wahnsinn und ganz bestimmt nicht mehr Normal!

Aber ich beobachte auch in der naturspirituellen Szene seltsame Umtriebe:
Nicht nur, dass unreflektiert Vorgaben und angebliche Überlieferungen übernommen werden und Beltane zur Walpurgisnacht und Samhain zum 31. Oktober oder 1. November gefeiert wird, sondern man halst sich auch hier jede Menge „Muss-Rituale“ auf. Inflationär viele Bücher mit Anleitungen und Diktaten zu den Rauhnächten sind auf dem Markt und geben genaue Verhaltensweisen vor, was zu tun und was zu lassen ist. Es muss dieses und jenes Kraut geräuchert werden, man muss aufschreiben, was man an dem Rauhnachtstag erlebt hat und mutmaßt, dass das ein Orakel für den jeweiligen Monat ist. Das ist deshalb fatal, weil man sich so schon wieder voreingenommen dem jeweiligen Monat nähert und wenn die 5. Rauhnacht schlecht läuft, glaubt man, dass der Mai auch miserabel sein wird. Selbsterfüllende Prophezeiungen sozusagen und wie wir ja wissen:

„Alles was wir glauben ist/wird wahr!“ und „Energie folgt der Aufmerksamkeit!“

Warum tut man sich das also an? Weshalb schränkt man sich so ein und halst sich solche engen Konzepte und mentale Belastungen auf? 
Klar, der westliche Mensch hat gelernt mit Konzepten zu leben und tut sich schwer damit, keins zu haben. Doch gerade diese Phase des Jahres, in der die Zeit in der Natur schier still zu stehen scheint, wäre ihre Botschaft, einfach mal nichts zu tun, einfach mal Alles auf sich wirken zu lassen und einfach inne zu halten. 
In dieser Welt herrscht eine deutliche „Yang-Überbetonung“. Es muss immer irgendetwas gemacht und geschaffen werden. Selbst ernannte Schamanen müssen festgewachsene Steine der Erde entreissen, wo darunter nicht selten Ameisen ihre Eier ablegen, um ein „ganz ganz wichtiges“ Medizinrad zu legen. Sie müssen den Ort heilen und verändern, dabei bedarf nicht der Ort der Heilung, sondern der Mensch. Also meiner Meinung nach der falsche Ansatz.

“Tun, tun und nochmals tun, aber niemals Zeit zu ruhn…” 


Wir brauchen wieder mehr „Yin“ in dieser Welt und so wäre es deutlich angebrachter, mehr Zeit mit “Nicht Tun” zu verbringen. Einfach mal empfangen und Sein...
Seit langem begleitet mich die Weisheit „In der Ruhe liegt die Kraft“. 
Gerade für mich lebhaftes, kreatives und quirliges Wesen ist das zu beherzigen umso wichtiger und wenn ich's tue, dankt es mir mein ganzes System.
Und deshalb ist mein Ritual zu dieser dunklen Phase des Jahres in die Stille und in mich zu gehen. Kraft zu schöpfen. Zu Reflektieren. Bei mir zu sein.

Da ist es völlig unerheblich, ob ich 12, 13 oder 16 Rauhnächte begehe, ob ich mich mit Sperrnächten (die es vor wenigen Jahren überhaupt noch nicht gab) zu befassen oder mich gar mit Anderen zu streiten, wann denn nun die Rauhnächte beginnen und wann sie enden.
Das sind alles neuzeitliche Konzepte, die noch dazu all zu oft auf Römerkalendern basieren.

Die Wintersonnenwende ist für mich auf jeden Fall ein hoher Feiertag und ich empfinde sie auch als das tatsächliche Neujahr und feiere sie entsprechend. Aber alles drum herum ist für mich nicht festgelegt und deshalb interessieren mich diese Konzepte auch nicht, die wohl sicher auch nicht die der alten, vorchristlichen und vorrömischen Völker waren.
Ich achte auf die Zeichen der Natur und die sagen jetzt: „Ruhe!“

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich Einige von Euch mit diesen Zeilen dazu ermuntern kann, Eure Brauchtumskonzepte zu überdenken, das was es nicht braucht sein zu lassen und wieder in Euren ganz natürlichen Rhythmus zu finden.

Konzepte und Definitionen machen unfrei! Also wäre es hilfreich, sich aus Solchen, die Euch unnötigerweise einengen und beschränken, zu befreien...

Für all meine Verwandten!
Mitakuye Oyassin Ahou!

Balla Balla


Frei nach dem Song “Oh Baby Baby Balla Balla”
gewidmet allen Silvester-Knallköpfen und den sogenannten Weihnachtsschützen und ihrem unsinnigen, grotesken und rücksichtslosen Böller-Brauch:


„Ihr seids ja nur no Balla Balla,

dees is ja nimma schee,

sowas von Balla Balla,

mit Eijam Brauchtum kenntz ma geh!

Nur no Balla Balla,

so konns doch ned weida geh!

 

Ihr seids ja nur no Balla Balla,

ballerts in da Gegend rum,

sowas von Balla Balla,

mit Eijam bläädn Bumm Bumm.

Seids nur no Balla Balla

und sowas vo seytn dumm!

 

Ihr seids ja nur no Balla Balla,

in eijam Trachtendress,

sowas von Balla Balla,

störts die Weihnachtsmess,

Seids nur no Balla Balla,

machts de Viechal gscheid an Stress!

 

Ihr seids doch nur no Balla Balla,

dass schlimmer nimmer gähd,

sowas von Balla Balla,

do is ja ois zu schpääd,

weil Eija debbadz Balla Balla,

is hoid einfach nur no blääd!



Ihr seids ja nur no Balla Balla,

do foit ma echt nix mehr ei,

sowas von Balla Balla,

dees konn doch echt ned sei!

Seids echt nur Balla Balla,

dees soi Brauchtum sei?

 

Mit eijam bläädn Balla Balla,

is jezad endlich Schluss,

weil Eija debbadz Balla Balla,

bringt vui Leit nur Verdruß

drum hearts auf mit Balla Balla

weil dees is einfach a Stuss!“

 

Heartz auf mit eijam Balla Balla,

daschreckts Pferdl, Schaf und Kuah,

mia brauchan koa Balla Balla,

do hamma lang scho davo gnua,

drum Schluss mit Balla Balla,

jezad is endlich amoi a Ruah!“
 

(Od*Chi am 24.12.2025)

Abschließend sei gesagt:

“In der Ruhe liegt die Kraft, die wahre Wunder schafft!”

…und deshalb geht Ruhe in jedem Falle vor!